Geschichte und "Philosophie" des Rudolf Virchow Klinikums Glauchau gGmbH

Den Grundstein der geregelten stationären Krankenversorgung in Glauchau bildet das 1842 eröffnete Krankenhaus. Wegen Platzmangels wurde dieses 1891 von der heutigen Pestalozzistraße in das größere Gebäude des damaligen Armenhauses in die Lungwitzer Straße verlegt. Die Kapazität dieses Hauses reichte jedoch, bedingt durch die zunehmende Differenzierung der medizinischen Fachgebiete, nicht lange aus, so dass ein Neubau notwendig wurde. Am 1. Oktober 1914 konnte nach nur einjähriger Bauzeit das Haupthaus (Haus 1) des heutigen Krankenhauses eingeweiht werden.

Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges mussten die Arbeiten jedoch unterbrochen werden, weil das Krankenhaus vom Roten Kreuz notdürftig als Lazarett hergerichtet und genutzt wurde. Erst nach Kriegsende konnte der Ausbau abgeschlossen werden. In den folgenden Jahren konnte der bestehende Krankenhausbetrieb weiter ausgebaut werden. 1924 wurde zusätzlich eine Seuchenbaracke in Betrieb genommen, die 40 Jahre in Benutzung blieb, und in der bis 1958 auch die Apotheke und später die Wirtschaftsabteilung untergebracht waren.

Ebenfalls Ausdruck des medizinischen Fortschritts in Glauchau waren die Anschaffung von Apparaten für die Überdrucknarkose und die Inbetriebnahme eines neuen Röntgengerätes im Jahre 1924. Erwähnenswert sind auch die Durchführung der ersten Magenoperation nach Billroth im Jahre 1926 und die erste Belegung mit gynäkologischen Betten durch Dr. Apel. Etwa gleichzeitig mit der Übernahme der ärztlichen Leitung durch Prof. Dr. Brinkmann im Jahr 1934 etablierten sich die Funktionsabteilungen, Labor, Physikalische Abteilung, EKG und Zystoskopie in der Klinik sowie eine selbständige Augenabteilung unter Leitung von Dr. v. Wolffersdorf. Damit wurde die Grundlage für die heutige überregionale Bedeutung unserer Augenklinik geschaffen.

Durch den 2. Weltkrieg wurde das Krankenhaus abermals vor neue Herausforderungen gestellt: Beispielsweise musste die tägliche durchschnittliche Patientenzahl erhöht werden. Zu diesem Zweck wurde ein als Wohngebäude vorgesehener Neubau für die Dauer von zehn Jahren zum Lazarett umfunktioniert. Nach 1945 galten die Bemühungen der Verantwortlichen vor allem der Verbesserung der Versorgungsstruktur, so waren z. B. die Zentralisierung der Verwaltung und der Wirtschaft Voraussetzungen für die Neustrukturierung der Einrichtung.

Nachkriegsauswirkungen und Umstrukturierung in den 50-er Jahren

Die Nachkriegsjahre waren von der Volkskrankheit Tuberkulose geprägt; daher dienten verschiedene Teilkrankenhäuser der Unterbringung und Isolierung der betroffenen Patienten.

Mit allen Hilfseinrichtungen umfasste das Krankenhaus im Jahre 1945 520 Betten. Innerhalb eines Jahres stieg die Bettenzahl sogar auf 656. Auch die im Krankenhaus fest angesiedelten Abteilungen wurden in dieser Zeit ausgebaut, so vergrößerten sich z. B. die gynäkologisch/ geburtshilfliche Abteilung sowie die HNO-Abteilung auf jeweils 30 Betten und die Augenabteilung auf 40 Betten. Zusammengefasst bedeutet das, dass 50 Jahre nach der Einweihung, die Kapazität des Hauses ohne Hilfseinrichtungen und Erweiterungen auf 330 Betten erhöht wurde.

Weiterhin wurde in der Schwanefelder Straße in Meerane eine zentrale Kinderklinik errichtet.

Infolge der Gründung der DDR und der damit einhergehenden wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Umbrüche endete 1950 die städtische Regie. Ab April 1952 war das Kreiskrankenhaus Leiteinrichtung für die Kreispoliklinik, Kinderkrippen, staatliche Arztpraxen und Gemeindeschwesternstationen.

Entwicklungen in der Zeit von 1964 bis zur politischen Wende 1989

1964 wurde das sogenannte I-Haus (lnfektionshaus) mit drei internistischen Stationen als stationäre Einrichtung seiner Bestimmung übergeben. Dieser Neubau war ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Gesundheitswesens der Stadt und des Kreises. Im August 1971 wurde die Gynäkologie / Geburtshilfe in das Krankenhaus Meerane ausgelagert. Im Kreiskrankenhaus Glauchau dagegen erfolgte die Konzentration der Inneren Abteilung.

Eine umfassende Rekonstruktion der Häuser I und II im Kreiskrankenhaus Glauchau wurde im Jahr 1976 vorbereitet und bereits 1980 fertiggestellt und die Gebäude übergeben. Am 7. Oktober 1981 erfolgte die Übergabe des Mehrzweckgebäudes mit Zentrallabor und im Dezember 1982 die Übergabe der interdisziplinären lntensivtherapieabteilung.

Mit der Fusion der Krankenhäuser Glauchau und Meerane wurde am 1. September 1981 die Qualität und Wirtschaftlichkeit der medizinischen Betreuung erhöht. Nach nur einjähriger Bauzeit konnte im Dezember 1988 eine Dialyseabteilung mit 8 Plätzen übergeben werden. 1989 erfolgte die komplette Rekonstruktion und Erweiterung des OP-Traktes und der zentralen Sterilisationsabteilung.  

In diesen Jahren wurde ebenfalls in die Versorgungsstruktur investiert. Als Ergebnis seien hier die Fertigstellung des Küchentraktes, des Kellergeschosses, der Trafostation und der Notstromanlage sowie das im September 1987 fertiggestellte neue Heizhaus genannt.

Um dem Krankenhaus einen unverwechselbaren und einprägsamen Namen zu verleihen, erhielt das Haus 1989 den Namenszusatz “Rudolf Virchow”.

Neuorientierung seit 1990

Nach der Wende wurden neue Investitionen getätigt, um das Niveau der stationären Versorgung dem bundesdeutschen Standard anzupassen. Hochwertige Medizintechnik wurde angeschafft und die Verbesserung der räumlichen Unterbringungssituation in Angriff genommen. Auf diese Weise konnte der befürchtete Medizintourismus in die alten Bundesländer vermieden werden. Im Rahmen dieser enormen Investitionstätigkeiten wurden die zwischenzeitlich nach Meerane ausgelagerten Abteilungen (Kinderheilkunde, Frauenheilkunde und Geburtshilfe) in den Jahren 1992/1993 wieder am Standort Glauchau konzentriert.

Im Klinikbereich Meerane wurden ab 1993 die OP-Säle einschließlich der Sterilisationsabteilung rekonstruiert und die Stationen modernisiert. Zu den medizin-technischen Neuerungen dieser Zeit gehören die Aufstellung eines Computertomographen und die Anschaffung von Ultraschallgeräten, die eine belastungsarme Erstellung sicherer Diagnosen ermöglichen. Bereits in den 90er Jahren wurde die sogenannte minimalinvasive Chirurgie (MIC), auch als “Knopflochchirurgie” bezeichnet, stellvertretend für viele diagnostisch und therapeutisch hochwertige Geräte und Verfahren in den OP-Sälen von Glauchau und Meerane etabliert.

Mit den baulichen und technischen Investitionen dieser Zeit gingen auch der Ausbau des medizinischen Versorgungsangebots und der steigende Serviceanspruch des Hauses einher. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, wurde neben anderem im Dezember 1995 die neue Krankenhausapotheke übergeben.

Ein neuer Schwerpunkt der medizinischen Versorgung wurde im Herbst 1996 mit der Grundsteinlegung für die Klinik für Psychiatrie geschaffen. Ihre Errichtung mit drei Stationen, eingebetteter Ergotherapie, Tagesklinik und Institutsambulanz bedeutete für die Patienten einen großen Fortschritt in der dezentralen, regionalen psychiatrischen Versorgung.

Durch die Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH im Jahr 1995 stand das Kreiskrankenhaus Glauchau vor neuen Möglichkeiten und Herausforderungen.

Dazu gehörte unter anderem auch die Sicherung der medizinischen Versorgung während der anstehenden Rekonstruktionsarbeiten. Zu diesem Zweck wurde 1999 eine komplette Containerbettenstation vom Krankenhaus Crimmitschau übernommen.

Fertigstellung des ersten Bauabschnittes im Jahr 2001

Die ständig fortschreitende positive Entwicklung des Kreiskrankenhauses Glauchau ermöglichte die Planung und Realisierung eines weiteren Ersatz- und Erweiterungsbaus. Im Frühjahr 2001 konnte der erste Bauabschnitt in Betrieb genommen werden, womit einige der vorhandenen Flächendefizite beseitigt wurden.

Mit einem Kostenaufwand von 26,7 Mio. Euro wurden die Sterilisationsabteilung, die Röntgenabteilung, eine Physiotherapie, fünf OP-Säle, die Notfallabteilung, eine chirurgische Station, die Stationen der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, die lntensivtherapie sowie ein neuer Kreißsaal fertiggestellt. Mit dem Umzug in das neue Gebäude verbesserten sich die Bedingungen für Patienten und Personal entscheidend. Als Beispiele seien hier großzügige, moderne und freundliche Patientenzimmer sowie modernste Medizintechnik genannt.

Daneben wurden mit der Übergabe von Therapie- und Sporthalle, Schwimmbad mit Sauna unter Einbeziehung der Physiotherapie ein wichtiger Schritt in Richtung des angestrebten Konzeptes eines umfassenden Gesundheitszentrums, getan. Den Patienten werden damit Möglichkeiten eröffnet, nach dem eigentlichen Krankenhausaufenthalt die Rehabilitationsphase bis zur vollständigen Genesung am gleichen Ort fortzusetzen.

Die Zahl der Betten am Kreiskrankenhaus Glauchau wuchs seit der politischen Wende bis zum Jahr 1999, wo sie mit 506 Betten den Höhepunkt erreichte, kontinuierlich. Der seit 2000 zu verzeichnende Rückgang ist auf Anpassungen an gesundheitspolitische Entscheidungen wie die Einführung eines pauschalisierten Entgeltsystems mit Normenverweildauern zurückzuführen. Dennoch konnten mit Eröffnung der neuen Tagesklinik in der Außenstelle Limbach-Oberfrohna im April 2007 die psychiatrisch-psychotherapeutischen Plätze um 15 erweitert werden.

Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) im Oktober 2006

Die Bemühungen der Geschäftsleitung sind von Beginn an darauf gerichtet, eine umfassende und möglichst vielfältige medizinische Versorgung für die Patienten vorzuhalten.

Durch die Einrichtung von vermietbaren Praxisflächen konnte über die letzten Jahre auch das Angebot an ambulanten medizinischen Leistungen erhöht werden. Seit März 2004 zogen verschiedene Fachärzte in eigener Praxisniederlassung im Krankenhaus ein.

Die Bemühungen der Krankenhausleitung ermöglichten 2006 zudem die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums, wodurch weitere Arztpraxen am Standort Virchowstraße und in der umliegenden Region etabliert wurden.

Der Unterschied zwischen einer MVZ Praxis und einer selbstständigen Praxis ist rein formeller Art. Die im MVZ beschäftigten Ärzte sind nicht selbstständig tätig, sondern arbeiten im Angestelltenverhältnis. Auch die Verwaltung der MVZ-Praxen wird zentral gesteuert.

Für die Patienten haben die unterschiedlichen Organisationsformen keinerlei Auswirkung.

Übergabe des zweiten Bauabschnittes und Etablierung des REHA-Z-Glauchau im Jahr 2008

Die rasante bauliche Entwicklung hält fortwährend an. Im Februar 2008 wurde schließlich der 2. Bauabschnitt, das Haus 18, eröffnet. Der Bau kostete ca. 25 Mio. Euro. In Betrieb genommen wurden neue Räumlichkeiten für vier internistischen Stationen, die Funktionsdiagnostik mit Endoskopieabteilung sowie die Augenklinik mit großzügigem Ambulanz- und OP-Trakt.

Im Jahr 2008 kam es zudem zu einer Leistungserweiterung im Bereich der Psychiatrie. Das REHA-Zentrum-Glauchau (RPK) wurde eröffnet. In diesem für Westsachsen einzigartigen Rehabilitationszentrum wird psychisch Erkrankten die Möglichkeit gegeben, über verschiedene Therapiewege wieder den Einstieg in die Arbeitswelt zu schaffen. Die stationäre Unterbringung erfolgte in der Anfangszeit auf einer umgebauten leer stehenden Station. Nach nur 9-monatiger Bauzeit wurde bereits im Dezember 2010 das neue RPK Wohnheim am Krankenhaus fertiggestellt. Es entstanden 20 moderne Wohneinheiten. Das Haupthaus der RPK befindet sich seit 2008 in der Martinistraße 10 in Glauchau.

Namentliche Neuorganisation der Gesellschaftsstruktur

Die Gesellschafterversammlung beschloss zum 01.01.2011 eine Neubenennung des Allgemeinkrankenhauses in “Rudolf Virchow Klinikum Glauchau”. Der Träger bleibt die Kreiskrankenhaus Rudolf Virchow gemeinnützige GmbH.

Zu dieser gehören fortan die Einrichtungen

  • Rudolf Virchow Klinikum Glauchau
  • MVZ am Klinikum Glauchau
  • REHA-Z-Glauchau
  • Gesundheitszentrum am Klinikum Glauchau .

Zur Kreiskrankenhaus Rudolf Virchow gemeinnützigen GmbH gehört die Tochtergesellschaft Altenheim “Am Wasserturm” gemeinnützige GmbH mit Standorten in Limbach-Oberfrohna und Waldenburg.

Etablierung einer Zentralen Notaufnahme und weitere Entwicklung

An der Stelle des Hauses 2 - ehemalige Augenklinik - entsteht ein neues Mehrzweckgebäude.

Bis Anfang 2013 werden unter anderem die Zentrale Notaufnahme, die Patientenaufnahme, die Kinderstation sowie weitere Praxen in die neuen Räumlichkeiten ziehen.

Ein weiteres großes Bauvorhaben ist für 2012 geplant - der Bau eines Wirtschaftshofes.

Dieser soll hinter der jetzigen Sport- und Therapiehalle etabliert werden. Die Abteilung Wirtschaft, die Küche sowie der Hol- und Bringedienst werden später in diesem Gebäude untergebracht und das Klinikum über unterirdische Gänge versorgen.

Unsere Bemühungen sind auch zukünftig darauf gerichtet, alles für das Wohl der Patienten sowie für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen aller Mitarbeiter der Kreiskrankenhaus Rudolf Virchow gemeinnützigen GmbH zu tun. Unser Ziel ist die Schaffung einer bestandsfähigen Bausubstanz und Ausstattung, die den sich ständig ändernden Herausforderungen des Gesundheitssystems gerecht wird.