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22.03.2016

Künstliche Kniegelenke gegen Arthrose

Chefarzt Dr. med. H.-U. Doß spricht über Ursachen und Behandlung

Arthrose ist eine der typischen Alterserscheinungen. Der fortschreitende Gelenkverschleiß führt dazu, dass der Knorpel im Gelenk zerstört wird. Schließlich kann der Patient das Gelenk nicht mehr schmerzfrei bewegen. Die eingeschränkte Funktionalität und Beweglichkeit vermindern die Lebensqualität.  Kniegelenke, Hüftgelenke, die Schulter oder auch die Hände sind am häufigsten betroffen. In fortgeschrittenen Stadien bleibt den Ärzten meist nur noch übrig, ein künstliches Gelenk während einer Operation zu implantieren, so Dr. med. Hans-Ullrich Doß, Chefarzt der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie und Leiter des Endoprothetikzentrums am Rudolf Virchow Klinikum Glauchau.

Wann kommen künstliche Kniegelenke zum Einsatz?

Bei einer Knieprothese handelt es sich um den vollständigen oder teilweisen Ersatz eines verschlissenen menschlichen Kniegelenks durch eine Prothese. Sie werden in der Regel dann eingesetzt, wenn die Funktionalität des eigenen Kniegelenks dauerhaft gestört oder die Beweglichkeit durch starke Schmerzen eingeschränkt ist und konservative Therapien nicht mehr zum gewünschten Erfolg führen. Insbesondere bei fortgeschrittener Arthrose sowie bei Entzündungen des Kniegelenks oder nach Knieverletzungen wie beispielsweise ein Kreuzbandriss oder ein Meniskusriss, kann der Einsatz eines künstlichen Kniegelenks notwendig sein.
Mit jährlich rund 400.000 Eingriffen zählt die Implantation von künstlichen Gelenken in Deutschland zu den am häufigsten durchgeführten Operationen. Davon sind 165.000 Prothesen künstliche Knies. Im Rudolf Virchow Klinikum haben wir im Jahr 2015 433 Endoprothesen, davon 188 Knietotalendoprothesen, implantiert.

Welche Ursachen hat Kniearthrose?

Grundsätzlich kann eine Arthrose am Knie wie an jedem Gelenk verschiedene Ursachen haben.
Unter Berücksichtigung bestimmter Lebensumstände und Veranlagungen  entsteht die Arthrose hauptsächlich durch Dekompensation des körpereigenen Stoffwechsels mit Störung des Ernährungsweges für die Knorpelzelle. Die bekannten Zivilisationskrankheiten wie Diabetes mellitus, Adipositas, Arteriosklerose und auch Störungen im Harnsäurestoffwechsel sind am häufigsten vertreten. Es resultieren alters- und belastungsbedingter Abnutzungen des Gelenkknorpels.
Aber auch äußere Faktoren wie Unfälle, Sportverletzungen, bestehende Vorerkrankungen, Fehlstellungen und entzündliche Gelenkerkrankungen können zur Arthrose führen.
Der wichtigste Risikofaktor ist das Alter. Ab dem fünfzigsten Lebensjahr steigt die Zahl der Arthroseerkrankungen deutlich an. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Frauen nach den Wechseljahren tragen ein weitaus höheres Risiko als Männer, eines Tages an Arthrose zu erkranken.

Wie äußert sich die Arthrose?

Arthrose schleicht sich oft ein, ohne dass der Betroffene es bewusst merkt. Nicht immer treten sofort Schmerzen auf. Mühe beim Aufstehen und Anlaufschmerzen können bereits erste Anzeichen sein. Schmerzen können sowohl unter Belastung, beispielsweise beim Laufen oder Treppensteigen oder nach größerer und länger andauernder Beanspruchung des Knies, als auch im Ruhezustand, etwa beim Sitzen mit gebeugtem Knie, auftreten.
Neben Schmerzen kann es auch zu eingeschränkter Beweglichkeit bis hin zur Versteifung des Kniegelenks kommen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es außer einer Endoprothese?

In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung von Schmerzen im Knie zunächst mit konservativen Behandlungsmaßnahmen. Die Implantation des künstlichen Kniegelenks ist immer der letzten Schritt, wenn sich nur noch so die Lebensqualität des Patienten verbessern lässt.
Jeder kann am besten dazu beitragen, dass die Gelenke lange halten und durch ausgewogene Vollwerternährung sowie eine gesunde Lebensweise der Entstehung arthrosefördernder Zivilisationskrankheiten vorbeugen. Damit lässt sich z.B. Übergewicht gut abbauen und die Gelenke, besonders die Knie, werden entlastet.
Gehen, Laufen, Radfahren und Wandern sind gut für das Kniegelenk. Schwimmen ist sehr günstig, weil sich durch den Auftrieb im Wasser das Gewicht und damit die Dauerbelastung auf die Kniegelenke verringern. Einseitige Belastungen und Überforderungen sollte man Vermeiden. Wer auf der Arbeit überwiegend sitzt, muss öfter aufstehen, ein paar Schritte laufen und die Beine beugen und strecken. Doch auch Ruhepausen mit hochgelegten Beinen sind zu empfehlen.
Zu den wichtigsten konservativen Methoden gehören Medikamente zur Hemmung von Entzündungen und zur Linderung von Schmerzen sowie Krankengymnastik und Physiotherapie etwa mittels Elektrotherapie oder Wärmeanwendungen. Spezielle Schuhe oder Einlagen sowie Knieorthesen können ebenfalls vor Fehlbelastungen schützen.

Was erwartet Patienten bei einer Gelenkersatzoperation?

Im Vorfeld der Operation erfolgen zur Vorbereitung wie bei jeder Operation ein Aufklärungs- und Beratungsgespräch. Dazu gibt es im Klinikum Glauchau dreimal wöchentlich eine Endoprothesensprechstunde. Außerdem werden mittels Röntgenspezialaufnahmen der Typ und die Größe  der Prothese festgelegt sowie deren Verankerung geplant.
Es kommen standardisierte Operationsmethoden zur Anwendung, bei denen über einen Hautschnitt an der Vorderseite das Knie eröffnet und danach das geplante Endoprothesenmodell eingesetzt wird. Für jeden Patienten muss individuell abgewogen und entschieden werden wie man vorgeht, da nicht prinzipiell für jeden jede Methode geeignet ist und zum besseren Ergebnis führt.
Bereits noch während des Krankenhausaufenthalts wird mit der Physiotherapie begonnen. Die anschließende Reha kann stationär oder ambulant oder auch in geeigneten Kureinrichtungen erfolgen. Wir beraten und unterstützen unsere Patienten dabei. Auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen gehören später dazu.

Veranstaltungstipp

Am 06. April 2016 haben interessierte Bürgerinnen und Bürger um 17.00 Uhr die Möglichkeit weitere Informationen rund um das Thema „Endoprothetik – Künstlicher Gelenkersatz“ zu erhalten. Im Veranstaltungsraum der Sparkasse Glauchau, Geschäftsstelle in der Leipziger Straße 66-68, referieren Chefarzt Dr. med. H.-U. Doß sowie sein Kollege Dr. med. Th. Müller aus der Orthopädisch-chirurgischen Praxisklinik Gera über Arthrose und Knieprothesen. Die Veranstaltung ist kostenfrei und ohne Anmeldung.
Weitere Informationen finden Sie hier.